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OST

Bringen automatisierte elektrische Fahrzeuge einen Mehrwert für die Umwelt?

Dieser Frage ging das Institut WERZ der OST im Auftrag der SBB nach. Untersuchungsobjekt war der automatisierte Minibus "MyShuttle", der zwischen 2017 und 2019 von einem Projektkonsortium auf verschiedenen Strecken in der Stadt Zug getestet wurde. Die Resultate zeigen, dass das mit Ökostrom betriebene MyShuttle deutlich weniger CO2-Emissionen pro Personenkilometer verursacht als durchschnittliche Personenwagen und ebenfalls besser abschneidet als Dieselbusse. Umfrageergebnisse zeigen, dass Personen in Zukunft anstatt ihres Personenwagens einen elektrisch betriebenen und automatisierten Minibus benutzen würden, um damit zur Arbeit zu gelangen. Die Einführung dieser Shuttle trägt dementsprechend dazu bei, klimaschädliche CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren.

  Abbildung 1: Das MyShuttle im Einsatz in Zug. Quelle: SBB AG & Koordinationsstelle
  für nachhaltige Mobilität KOMO, Kombinierte Mobilität mit Selbstfahrenden Fahrzeugen   (SFF)

CO2- und Energiebilanz des MyShuttles

Um der Frage des möglichen Umweltnutzens nachzugehen, leitetet wir als erstes die Ökobilanz des MyShuttle her und verglichen diese mit den anderen in Zug eingesetzten Verkehrsmitteln. Dabei haben wir herausgefunden, dass das MyShuttle deutlich weniger CO2-Emissionen pro Personenkilometer verursacht als durchschnittliche Personenwagen. Ebenfalls verursacht es weniger CO2-Emissionen als Dieselbusse. Dieser Vorteil stammt hauptsächlich davon, dass das MyShuttle mit CO2-armem Ökostrom betrieben wurde. Messungen des Energieverbrauches ergaben zudem, dass das MyShuttle, trotz einer relativ geringen Auslastung während des Pilotbetriebs, weniger Energie pro Personenkilometer verbraucht als der durchschnittliche Personenwagen.

  Abbildung 2: Energie- und CO2-Bilanz von verschiedenen Verkehrsmitteln

Entscheidender Umstieg

Diese Ergebnisse stimmten uns bereits positiv bezüglich des Umweltnutzens der automatisierten Minibusse. Ein weiterer entscheidender Faktor ist jedoch, von welchen Verkehrsmitteln die MyShuttle-Benutzer auf dieses Fahrzeug umsteigen. Dazu hat das Projektkonsortium eine Umfrage mit vielversprechendem Resultat durchgeführt: Der Grossteil der MyShuttle-Benutzer würden das Shuttle anstelle ihres Privatautos verwenden, um damit zur Arbeit zu gelangen.

 

Ökologischer Mehrwert

Mithilfe dieser beiden Angaben konnten wir nun berechnen, wie sich der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen verhalten würden, wenn eine grosse Flotte an MyShuttle in Zug zum Einsatz kommen würde. Dabei haben wir ausschliesslich den Einsatz dieser MyShuttle im Pendlerverkehr untersucht. Aufgrund der oben erwähnten Ergebnissen ist das Resultat nicht überraschend: Automatisierte Minibusse weisen im untersuchten Fall ein grosses Potential auf, um den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren. Diese neue Mobilitätsdienstleistung muss jedoch so konzipiert werden, dass tatsächlich Autokilometer und nicht beispielsweise Fahrradkilometer substituiert werden. Unter diesen Bedingungen bringen automatisierte und elektrische Minibusse einen Mehrwert für die Umwelt.



Autor:

Michael Hegglin,
Projektleiter Institut WERZ