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Gelernt, genutzt und profitiert

Im September 2018 startet die fünfte Durchführung des CAS Recycling und Entsorgung. Wer sich für die Weiterbildung entscheidet, erarbeitet sich das nötige aktuelle Fachwissen und kombiniert dieses mit individuellem Praxisbezug.

 

Zum erfolgreichen Abschluss des CAS gehört die Bearbeitung einer Projektarbeit mit Unterstützung der Dozierenden. In den meisten Fällen beschäftigt sich diese mit einem aktuellen Thema aus dem eigenen Betrieb. Wie sinnvoll das ist, zeigt das Beispiel von Fabian Mombelli, Geschäftsführer der REWAG Regio-Wiederverwertungs AG in Kaiseraugst.

Schema der Sortieranlage für Bausperrgut

Die Sortieranlage

Prozessschema

Steckbrief Projektarbeit

Thema

Wirtschaftlichkeitsanalyse für die Sortieranlage für Bausperrgut der REWAG

 

Studierender

Fabian Mombelli, Geschäftsführer REWAG Regio-Wiederverwertungs AG

 

Betreuender Dozent

Viktor Haefeli, Dozent für das Modul Recyclingmanagement

 

Leitfrage

Wie setzen sich die Finanzflüsse zusammen und wie kann die Anlage kostengünstig, effizient und damit gewinnbringender betrieben werden?

 

Ergebnis

Die optimale Betriebsform für die Anlage mittels 11 Versuchen ermittelt und die Finanzflüsse identifiziert und transparent dargestellt.

Eine alte Frage wird angegangen

„Das Thema des tatsächlichen Kosten-Nutzen-Verhältnisses und einer möglichen Gewinnsteigerung unserer Sortieranlage für Bausperrgut anzugehen, hatte ich schon lange im Kopf, aber nie die Zeit dazu“, sagt Fabian Mombelli. „Durch die Projektarbeit war ich gezwungen, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und bin vom Ergebnis positiv überrascht. Der CAS Recycling und Entsorgung hat sich für meinen Betrieb mehr als gelohnt“.

Sortierversuche zeigen das Potential

Die 20-jährige Sortieranlage für Bausperrgut der Firma entspricht trotz ihres Alters immer noch den Bedürfnissen. Die Funktionalität ist somit vorhanden. Doch konnte Fabian Mombelli nicht wirklich abschätzen, wie rentabel die Anlage betrieben wird. Und noch wichtiger: Wie die Anlage allenfalls kostengünstiger, effizienter und mit einer Gewinnerhöhung betrieben werden könnte.

 

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen wurden elf Sortierversuche mit Bausperrgut vorgenommen. Für eine genau abgewogene Menge an Bausperrgut wurde die Sortierung komplett durchgeführt und anschliessend die einzelnen Output-Fraktionen wieder verwogen. Dabei änderte er jeweils die Durchsatzgeschwindigkeit und liess unterschiedlich viele Mitarbeiter an der Anlage sortieren. Pro Sortierversuch wurden rund neun Stunden investiert und im Durschnitt 36 Tonnen Material verarbeitet.

 

Anhand dieser Versuche fand Fabian Mombelli heraus, wie die Durchsatzrate und die Mitarbeiterzahl an die aufgetragene Materialmischung angepasst werden muss, um einen optimierten Betrieb zu gewährleisten. Weiter schlüsselte er die Geldflüsse aus fixen und variablen Kosten auf. So konnte er eine optimierte Basisvariante für den Betrieb bestimmen und deren effektive Kosten und tatsächlichen Gewinn ermitteln.

Unsortiertes Bausperrgut

... und die verschiedenen Output-Fraktionen: Innertstoff Mittelfraktion

Feinfraktion

Karton

Elektroschrott

Hartkunststoffe

Die Stellschrauben sind identifiziert

Dank der Projektarbeit hat Fabian Mombelli folgende Hebel zur Optimierung seiner Sortieranlage erkannt:

  • Durchsatz
  • Zusammensetzung Eingangsmischung
  • Anlagenlaufzeit

 

Durchsatz

Ein sehr grosser Hebel zeigt sich im Durchsatz. Einerseits kann der Durchsatz gesteigert werden, indem mehr Personen an der Anlage arbeiten. Andererseits kann bei gleichbleibender Personenzahl der Durchsatz gesteigert werden – dann aber auf Kosten der Trenngenauigkeit. Der optimierte Betrieb besteht in einer idealen Kombination der beiden Faktoren.

 

Zusammensetzung Eingangsmischung

Die Zusammensetzung der Eingangsmischung Bausperrgut wirkt sich massiv auf die Kosten aus. Material mit hohem Inertstoffanteil senkt die Kosten der Vorsortierung (Maschinenaufwand und Entsorgungskosten) beträchtlich und erhöht den Durchsatz. Dies wiederum senkt den Anteil der Fixkosten und der Personalkosten. Natürlich werden auch die Kosten für die Entsorgung der Hauptsortierung gesenkt, da sich der Inertstoffanteil viel günstiger als der brennbare Anteil entsorgen lässt.

 

Anlagenlaufzeit

Im Rahmen der Projektarbeit hat sich gezeigt, dass bei der Sortieranlage der REWAG der Fixkostenanteil nicht wirklich entscheidend ist. Vielmehr beeinflussen die variablen Kosten das Ergebnis. Dennoch ist es ein sinnvoller Hebel, die Anlage länger in Betrieb zu haben, um mit einer Anlagenüberdeckung absolut gesehen mehr Deckungsbeitrag und unterm Strich mehr Gewinn zu erwirtschaften.

 

Zweckmässig und einfach umsetzbar sind ein 2-Schichtbetrieb und die Verlagerung der wöchentlichen Reinigung auf Samstag. Mit dieser Variante lässt sich die umständliche und teure Nacht- und Sonntagsarbeit umgehen.  Gleichzeitig wird dadurch die effektive Anlagenlaufzeit und somit die Menge der verarbeiteten Tonnagen gesteigert.

Gelerntes umgesetzt und profitiert

Generell kann festgehalten werden, dass der weitere Betrieb der Sortieranlage für die REWAG Rego-Wiedervewertungs AG sinnvoll ist. Die Sortieranlage wirft Gewinn ab und hilft zugleich noch Fixkosten besser zu verteilen und Ressourcen flexibler einzusetzen. Die in der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse über den optimalen Betrieb der Anlage führen zu einer signifikanten Steigerung des Gewinns im Vergleich zum bisherigen Betrieb.

 

Viktor Haefeli, Dozent für das Modul Recyclingmanagement aus dem CAS Recycling und Entsorgung, hat die Projektarbeit von Fabian Mombelli betreut. „Fabian hat das gelernte Wissen mit seiner Praxiserfahrung gekonnt kombiniert. Er hat nicht nur eine hervorragende Projektarbeit geschrieben. Mit der Erkenntnis, welche er für seine Sortieranlage gewonnen hat, hat er die Kurskosten für den CAS mehrfach amortisiert.“