Institute for
HSR

Wettbewerbsvorteile mit Ressourceneffizienz

Ressourceneffizienz ist ein Muss für eine wettbewerbsfähige Industrie. Das Netzwerk Ressourceneffizienz, kurz Reffnet.ch, berät Unternehmen, wie sie Rohstoffe effizienter einsetzen können – und gleichzeitig einen Millionenbetrag einsparen. Die HSR ist mit dem Institut WERZ bei Reffnet.ch dabei.

Um 25% liesse sich die Ressourceneffizienz in Schweizer Unternehmen in den nächsten zehn Jahren verbessern. Das zeigen Untersuchungen des BAFU und von Swissmem. Ressourcen besser zu nutzen bedeutet für Unternehmen eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit, Effizienzgewinne und tiefere Materialkosten – und nicht zuletzt eine geringere Abhängigkeit von volatilen Rohstoffpreisen.

 

Soweit die Theorie - doch wie können Unternehmen ihre Potenziale erkennen und ausnutzen? Hier bietet Reffnet.ch Hilfe. Der 2014 gegründete Verein Reffnet.ch zeigt Firmen auf, wie sie Material, Energie und Kosten einsparen. Die Expertinnen und Experten des Netzwerks identifizieren für die Unternehmen Effizienzsteigerungspotenziale, leiten daraus Massnahmen ab und begleiten deren Umsetzung.

 

Im Gegensatz zu anderen Programmen strebt Reffnet.ch nicht nur Optimierungen innerhalb des Betriebs an. Stattdessen wird die ganze Wertschöpfungskette betrachtet. Das erlaubt es, Produktionssysteme und Produkte nach Ökodesign-Kriterien neu zu gestalten. Letzteres führt zu Verbesserungen bei der Beschaffung, der Produktion und bei der Produkteanwendung. Dank Skaleneffekten können damit oft enorme Einsparungen erreicht werden.

 

Nach Umsetzung der Massnahmen erfasst Reffnet.ch die Umweltwirkungen und stellt diese Resultate zusammen. Diese Informationen stehen dem beratenen Unternehmen für die Kommunikation des eigenen Engagements zur Verfügung.

Fallbeispiel: Materialeffizienz für Spültröge

Die Aargauer Franke Kitchen Systems ist eine weltweit führende Anbieterin von Küchensystemen. Sie plante unter hohem Wettbewerbs- und Preisdruck einen neuen Spültrog für den US-Markt.

 

Die Produktionsleiter hatten sich dazu u.a. bereits mit dem Thema Ökodesign auseinandergesetzt. Doch dank der Zusammenarbeit mit Reffnet.ch konnten die Vorteile von einer neuen Fertigung von Spülbecken mit geringerem Materialaufwand für das Unternehmen und die Umwelt aufgezeigt werden.

 

Der Reffnet.ch-Experte Rainer Züst half mit, den gesamten Lebenszyklus des Produkts zu hinterfragen und verschiedene Varianten zu evaluieren. Bei der schliesslich ausgewählt Variante wird der neue Spültrog nicht mehr wie bis anhin aus drei zusammengeschweissten Teilen, sondern in einem Arbeitsschritt aus einem einzigen Blech gefertigt. So entsteht bei der Herstellung viel weniger Abfall und Ausschuss.

 

Damit gelang es Franke, den Materialaufwand auf die Hälfte zu senken: Statt 13,5 Kilogramm werden heute pro Trog nur noch 7 Kilogramm Edelstahl benötigt und der Energiebedarf für die Herstellung konnte um 75 % gesenkt werden. Allein dadurch spart das Unternehmen jedes Jahr die Umweltbelastung eines kleinen Dorfes ein – und mehrere Millionen Franken.

Gebündeltes Know-how

Um Unternehmen aus verschiedenen Branchen gesamtheitlich zu betrachten und beraten, braucht es Wissen in einem weiten Themenspektrum. Reffnet.ch vereint deshalb verschiedene Organisationen als Träger (siehe Auflistung unten). Das Institut WERZ der HSR führt die Geschäftsstelle.

 

Für das Netzwerk arbeitet ein Expertenpool mit aktuell 34 ausgewählten Fachpersonen. Diese verfügen über eine technische oder ökonomische Grundausbildung sowie einen grossen Erfahrungsschatz im Bereich industrielle Produktion und der Beratung von Unternehmen in technischen Belangen. Weiter bringen die Reffnet.ch Experten individuelles Spezialwissen mit. Dieses reicht vom Maschinen- und Bergbau bis hin zum Gastgewerbe oder der Produktion von Nahrungsmitteln.

Hochgesteckte Ziele

Das Netzwerk hat sich anspruchsvolle Ziele gesteckt. Um diese zu quantifizieren braucht es eine adäquate Messgrösse, die die Wirkung von Ressourceneffizienz-Massnahmen wiedergeben kann. Sogenannte Umweltbelastungspunkte (UBP) sind dafür besonders geeignet (siehe Kasten).

 

Reffnet.ch hat sich verpflichtet, durch seine Beratung ab 2016 jährlich 74 Milliarden UBP einzusparen. Dies entspricht dem jährlichen Ressourcenverbrauch von 3700 Personen oder dem Fleischkonsum von 100 000 Personen (à 53 Kilogramm pro Jahr und Person).

 

Ressourceneffizienz zahlt sich aber nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Unternehmen aus. Diese können dank den von Reffnet.ch vorgeschlagenen Massnahmen zusammen pro Jahr sieben bis 21 Millionen Franken an Materialkosten einsparen. Der wirtschaftliche Nutzen von Reffnet.ch ist somit sieben bis 21 Mal grösser als die gesamten Projektkosten.

Wirkungsabschätzung mit Umweltbelastungspunkten (UBP)

 

CO2-Ausstoss, Ressourcennutzung, giftige Substanzen – wie können umweltbelastende Externalitäten die in einer Firma anfallen, bewertet und verglichen werden? Die Methode der Umweltbelastungspunkte (UBP) veranschaulicht anhand einer einzelnen Zahl negative Umwelteffekte.

 

Die Methode der UBP eignet sich gut, um die gesamten Umwelteffekte einer Firma oder privater Aktivitäten in einer Zahl zu fassen. Durch die Verwendung einer allgemeinen Formel können verschiedene Effekte, wie z.B. Treibhausgasemissionen oder der Ressourcenverbrauch, anhand einer zuvor bestimmten Normierung und Gewichtung in UBP umgerechnet werden.

 

Die Normierung des Schadstoffes oder einer Ressource gibt Auskunft über wie Schädlichkeit eines Stoffes. Die Gewichtung desselben Stoffes orientiert sich an der sogenannten ökologischen Knappheit, d.h. der aktuelle Fluss eines Schadstoffes in die Umwelt wird einer zuvor bestimmten Obergrenze desselben Schadstoffes gegenübergestellt. Die Obergrenzen der Werte orientieren sich dabei an den Schweizer Zielen des Umweltschutzes und sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.Somit bietet die Methode der UBP eine vergleichbare Basis für die Optimierung im Sinne umweltpolitischer Ziele in der Schweiz.

 

 

Reffnet.ch – wer ist dabei

  • Pusch – Praktischer Umweltschutz,
  • Effizienzagentur Schweiz,
  • Züst Engineering AG,
  • Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW,
  • Ernst Basler + Partner,
  • myclimate,
  • Quantis,
  • Ticino Energia
  • Cleantech Agentur Schweiz ACT.

 

Das Bundesamt für Umwelt begleitet und finanziert Reffnet.ch wesentlich.